Orgelkonzert Pfarrkirche Zwiesel – Bayern;
24.07.2001 – 20.00 Uhr

PNP vom Samstag, 28. Juli 2001 Lokalteil Zwiesel

Junger Organist mit klarem Konzept
Roger Sohler aus Salzburg bei den Zwieseler Orgeltagen

Zwiesel. Auf den ersten Blick schien manches recht unkonventionell musiziert beim jüngsten Konzert der Zwieseler Orgeltage, doch der junge Gastorganist Roger Sohler aus Salzburg hatte klare Vorstellungen, wie er sein vielschichtiges Programm auf der Eisenbarth-Orgel zu realisieren gedachte.
Mutig und unkonventionell gleich der Auftakt mit Buxtehudes G-Dur-Präludium. Roger Sohler gestaltete es sehr facettenreich und farbig. Auf der großen Orgel, die Buxtehude zur Verfügung hatte, wird dieser sicher auch die vielen klanglichen Möglichkeiten genutzt haben.
Dem eher verhaltenen Auftakt stand Georg Böhms Präludium und Fuge in C mit kräftigen Stimmen gegenüber und auch Bachs Concerto in C nach einer Komposition des Herzogs Johann Ernst von Weimar ließ Roger Sohler im Plenum-Klang glänzen, während er sich beim Choralvorspiel „In dir ist Freude“ wieder Zurückhaltung auferlegt hatte.
Wenn schon ein Organist aus Salzburg nach Zwiesel kommt, dann sollte auch ein Werk Mozarts nicht fehlen. Mit Adagio, Allegro und Adagio f-moll KV 594 hatte Sohler ein richtiges Kabinettstück gewählt. Mozarts Orgelstücke waren allesamt für mechanische Vorrichtungen gedacht, welche die Musik mittels Walzen und kleinen Pfeifenreihen zum Klingen brachten; besagte Komposition diente als Trauermusik für das Mausoleum des Feldmarschalls Laudon im Kunstkabinett des Grafen Deym in Wien.
Elegische Klänge bieten aber nur die beiden Adagios, während der Allegro-Mittelteil in F-Dur an die militärischen Taten des Feldherrn erinnern soll und recht martialisch daherkommt. Hier setzte Roger Sohler voll auf Kontrast: zart die Außenteile und wuchtig das Allegro.
Die beiden Romantiker im Programm, Mendelssohn- Bartholdys dritte Sonate und Franz Liszts grandioses B- A-C-H-Präludium, bildeten in klar durchdachten Interpretationen den krönenden Abschluss des Konzertprogramms. Doch auch mit der Zu-gabe wurden die gut 60 Besucher nochmals verwöhnt. Widors prunkvolle F-Dur-Toccata gab Roger Sohler nicht als überhasteten Parforce-Ritt, so wie das viele Organisten tun, sondern in dem Tempo, das vom Komponisten vorgeschrieben wurde und das es auch ermöglicht, selbst noch kleinste Details wirkungsvoll in Szene zu setzen.

Hans Proft