Orgelkonzert Wehrden/Weser, 12.08.2001
Neue Westfaelische vom Donnerstag 17.08.2001

Salzburger Organist mit Geist und Grazie
Roger Sohler glänzt beim Eröffnungskonzert in Wehrden

Wehrden. Mit betörenden und turbulenten Harmonien wurde der diesjährige Orgelzyklus in Wehrden eröffnet. Die Zuschauerresonanz war, im Vergleich zum Vorjahr, erstaunlich gut.Orgelkenner im ostwestfälischen Raum wissen es: die katholische Pfarrkirche in Wehrden mit ihren barocken Gefilden birgt die besondere Kostbarkeit einer schmucken Orgel, ein Instrument von sagenhafter Stimmentfaltung. Der Kirchenmusiker und Organisator Ulrich Behler, hatte den jungen Roger Sohler, Titular-Organist der katholischen Stadt-Pfarrkirche St. Vitalis in Salzburg, auf die Orgelbank der Siegfried-Sauer-Orgel geholt.
Wurde im Jahr zuvor Johann Sebastian Bach ausgiebig gefeiert, so war es jetzt wieder Bach, der das reichhaltige Programm anführte. Wie sich der 1982 in Bregenz (Vorarlberg) geborene Organist der Orgelliteratur näherte und sie mit Schmissigkeit und vibrierender Transparenz interpretierte, das erlebt man nicht alle Tage. Natürlich, die Dispositionen der zweimanualigen Orgel in der Pfarrkirche Heilige Familie halfen dem Organisten dabei, das Kompositions-Füllhorn des Barocks sowie der Früh- und Spätromantik reichlich auszuschütten.
Der Abend begann mit Bachs Präludium und Fuge in C-Dur (BWV 547). Roger Sohler zog gleich zu Beginn den Zuhörerkreis mit diesem getragenen und ungemein geschlossenen Präludium in seinen Bann. In Form von vier Interludien verstand es Sohler, das Programm mit den Kleinodien Bachscher Kunst, des „Orgelbüchleins“, anzureichern.
Mit Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem Pontifex zwischen Barock und Romantik, verfärbte sich das Klangbild der Orgel. Aus den sechs Sonaten op. 65 hatte der Interpret die A-Dur-Sonate ausgewählt. Mit einer gelungenen Registrierung präsentierte Roger Sohler das „Con moto maestoso“ des ersten Satzes. Überzeugend, mit lyrischer Innigkeit, ließ er die Choralmelodie „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“ ins Pedal einfließen.
Und dann Bach: Bei Präludium und Fuge in D-Dur und der abschließenden Fantasie und Fuge in g-moll geriet die Zuhörerschaft ins Schwärmen.
Bis in die jüngste Zeit hinein, scharen sich Menschen um die Orgelwerke berühmter Komponisten, um all ihre kolorierten Facetten zu hören. In Wehrden wurden sie von einem Interpreten für ihre Treue belohnt, denn Roger Sohler verstand es, die großartigen Momente der Orgelmusik wie eine Offenbarung erklingen zu lassen. Mit Begeisterung wurde der Salzburger Organist verabschiedet.

VON HEINZ TROMPETTER